Sehr geehrter Herr Larue,
die Fraktion der PDS Offenen Liste stellt folgenden Antrag:
Die Stadt beendet die unmenschliche Verfolgung von Arbeitslosen und ihren Familien und legt eine Liste der angeblich im Stadtgebiet verfügbaren preiswerten Wohnungen vor.
Begründung:
Nach unserer Information wurden von der
Agentur für Arbeit Düren bereits 1.000 Arbeitslose und ihre Familien
aufgefordert ihre Wohnungskosten zu senken. In den verschickten Schreiben (siehe
Kopie) heißt es:
„Im Hinblick auf § 22 (1) sind Sie daher gehalten, sich intensiv und
nachweislich darum zu bemühen, die überhöhten Aufwendungen durch einen
Wohnungswechsel, durch (Unter-) Vermietung oder auf andere Weise zu senken.“
Was diese unverschämte Aufforderung bei den Betroffenen für Auswirkungen hat,
können wir fast täglich in unserem Fraktionsbüro erleben. Dort sind wir nämlich
mit den unsozialen Auswirkungen von Hartz IV hautnah konfrontiert: Aufforderung
zum Wohnungswechsel, Anrechnung des Partnereinkommens, jeden Monat eine
Neuberechnung der Bedürftigkeit, wenn der Partner Lohnempfänger ist, keine freie
Wahl der Wohnung mehr, wird eine angemessene Wohnung verlassen, erhalten die
Betroffenen nur noch Miete in Höhe der bisherigen Miete usw. Und in was für
einem Staat leben wir eigentlich, wenn schon durch das Tragen einer
Einkaufstasche in die gemeinsame Wohnung „gemeinsame Wirtschaftsführung“
unterstellt wird? Führt „gemeinsame Wirtschaftführung“ doch zur Anrechnung des
Einkommens, wenn eine Mitbewohnerin bzw. Mitbewohner berufstätig ist. Wer
Arbeitslose und ihre Familien zum Wohnungswechsel nötigt, der muss auch
nachweisen, wo die preiswerten Wohnungen sind. Die bloße Behauptung es gäbe
ausreichend preiswerten Wohnraum hilft den Betroffen nicht weiter. Zumal die
Miettabelle die der Kreis Düren als Richtlinie vorschreibt, seit fünf Jahren
nicht aktualisiert wurde. Wir halten es für reine Schikane, dass tausende
Arbeitslose ihre Zeit damit verbringen sollen sich eine andere Wohnung zu
suchen. Dies schafft weder Arbeitsplätze noch ist es ökonomisch sinnvoll intakte
Wohnungen zu verlassen um anschließend in Farbe, Tapete, Bodenbeläge, Gardinen
und Möbel zu investieren, welche letztendlich von den Betroffenen selbst
finanziert werden müssen. Von den Kosten für Umzug, Ummeldung, Kaution und den
Umzugsschäden an Möbeln und Hausrat ganz zu schweigen. Auch die abwartende
Haltung des Leiters der job-com hilft hier nicht weiter. In einem Schreiben an
die Aktionsgemeinschaft KESS v. 25.04.2005 schreibt Karl-Josef Cranen u.a.: „Unter
Berücksichtigung der geschilderten langjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet aus
dem Bereich Sozialhilfe und der anhaltend sehr entspannten Wohnungslage im Kreis
Düren bin ich aber mehr als zuversichtlich, dass sich die von Ihnen geschilderte
Problematik in Wohlgefallen auflösen wird.“ Wir finden, nicht abwarten und
Tee trinken ist angesagt, sondern die sofortige Beendigung dieser unsozialen
Praktiken. Warum Herr Cranen den Arbeitslosen nicht helfen will, ist uns
unverständlich. Als Leiter von Amt 56 (job-com) beim Kreis Düren sollte er
hierzu eigentlich die nötige Kompetenz besitzen. Die Fraktion der PDS Offenen
Liste hält es daher für dringend erforderlich, dass die Stadt Düren hier ein
soziales Zeichen setzt. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie Einwohnerinnen
und Einwohner dieser Stadt weiterhin zur Wohnungssuche gezwungen sind.
Mit freundlichen Grüßen
Lothar
Böling
Vorsitzender der PDS-Fraktion